Ist Ihr Pflegegrad noch der richtige?
Viele Menschen erhalten ihren Pflegegrad und beschäftigen sich danach lange Zeit nicht mehr damit.
Das ist verständlich. Schließlich wurde der Pflegegrad durch eine Begutachtung festgestellt und die entsprechenden Leistungen laufen.
Doch Pflegebedürftigkeit bleibt nicht immer gleich.
Vielleicht fiel das Treppensteigen vor einem Jahr noch leicht. Inzwischen wird Unterstützung benötigt.
Vielleicht klappt das Anziehen nicht mehr ohne Hilfe.
Oder Angehörige übernehmen inzwischen immer mehr Aufgaben, ohne dass bewusst wahrgenommen wird, wie stark der Unterstützungsbedarf tatsächlich gestiegen ist.
Dann stellt sich eine wichtige Frage:
Passt der vorhandene Pflegegrad überhaupt noch zur heutigen Situation?
Ein Pflegegrad ist keine Einstufung für immer.
Wenn die Selbstständigkeit eines Menschen deutlich abgenommen oder sich der Unterstützungsbedarf erhöht hat, kann geprüft werden, ob inzwischen die Voraussetzungen für einen höheren Pflegegrad vorliegen.
Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell einen höheren Pflegegrad zu beantragen.
Es geht darum, dass der festgestellte Pflegegrad die tatsächliche Situation des pflegebedürftigen Menschen widerspiegeln sollte.
Woran kann man erkennen, dass sich etwas verändert hat?
Einige Veränderungen schleichen sich langsam in den Alltag ein.
Zum Beispiel:
Das Aufstehen und Hinsetzen wird schwieriger.
Beim Gehen wird zunehmend Unterstützung benötigt.
Körperpflege oder Anziehen funktionieren nicht mehr vollständig selbstständig.
Toilettengänge werden schwieriger.
Medikamente können nicht mehr zuverlässig selbst organisiert werden.
Orientierung oder Erinnerungsvermögen haben nachgelassen.
Nachts wird häufiger Hilfe benötigt.
Angehörige müssen deutlich häufiger unterstützen als früher.
Der Alltag kann ohne fremde Unterstützung zunehmend schlechter bewältigt werden.
Ein einzelner Punkt bedeutet natürlich noch nicht automatisch, dass ein höherer Pflegegrad gerechtfertigt ist.
Wenn jedoch mehrere Bereiche betroffen sind oder der Unterstützungsbedarf deutlich zugenommen hat, kann eine Beratung sinnvoll sein.
Haushaltshilfe allein bedeutet nicht automatisch einen höheren Pflegegrad
Das ist uns besonders wichtig.
Nur weil jemand Unterstützung beim Putzen, Einkaufen oder bei der Wäsche benötigt, entsteht daraus nicht automatisch ein Anspruch auf einen höheren Pflegegrad.
Bei der Begutachtung wird wesentlich umfassender betrachtet, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag noch bewältigen kann.
Deshalb sollte ein Antrag auf Höherstufung immer zur tatsächlichen persönlichen Situation passen.
Warum sprechen wir gerade jetzt darüber?
Mit dem geplanten Pflegeneuordnungsgesetz – kurz PNOG – werden Veränderungen im System der Pflegeversicherung diskutiert.
Dazu gehören nach dem derzeitigen Stand auch Änderungen bei der Begutachtung und den Voraussetzungen für bestimmte Pflegegrade.
Das Gesetzgebungsverfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
Die geplanten Änderungen sind deshalb noch nicht mit geltendem Recht gleichzusetzen.
Trotzdem kann die Diskussion ein guter Anlass sein, einmal ganz unabhängig von der Reform zu fragen:
Wann wurde mein Pflegegrad zuletzt festgestellt – und entspricht diese Einstufung eigentlich noch meiner heutigen Situation?
Wer tatsächlich wesentlich mehr Unterstützung benötigt als zum Zeitpunkt der letzten Begutachtung, sollte nicht allein wegen einer möglichen Gesetzesänderung warten.
Nicht aus Angst handeln
Wir halten nichts davon, Menschen mit Aussagen wie „Beantragen Sie jetzt schnell einen höheren Pflegegrad“ unter Druck zu setzen.
Eine Höherstufung sollte nicht vorsorglich beantragt werden, wenn sich an der Pflegebedürftigkeit nichts verändert hat.
Hat sich die Situation dagegen tatsächlich verschlechtert, kann es sinnvoll sein, sich beraten zu lassen.
Ansprechpartner können beispielsweise die eigene Pflegekasse oder eine unabhängige Pflegeberatung sein.
Bereiten Sie eine mögliche Begutachtung gut vor
Im Alltag werden viele Hilfen irgendwann selbstverständlich.
Der Ehepartner hilft morgens beim Anziehen.
Die Tochter organisiert Medikamente und Arzttermine.
Jemand begleitet beim Duschen.
Nachts wird beim Toilettengang geholfen.
Weil diese Unterstützung jeden Tag stattfindet, wird sie häufig gar nicht mehr als Pflege wahrgenommen.
Für eine Begutachtung ist jedoch wichtig, die tatsächliche Situation möglichst realistisch zu schildern.
Es kann deshalb hilfreich sein, einige Tage oder Wochen aufzuschreiben:
Wobei wird Hilfe benötigt?
Wie häufig wird geholfen?
Was funktioniert nicht mehr selbstständig?
Welche Aufgaben übernehmen Angehörige regelmäßig?
So entsteht ein wesentlich realistischeres Bild des tatsächlichen Unterstützungsbedarfs.
Unser Tipp
Schauen Sie nicht nur auf die Zahl auf Ihrem Pflegegradbescheid.
Schauen Sie auf Ihren heutigen Alltag.
Hat sich seit der letzten Begutachtung deutlich etwas verändert, lassen Sie sich beraten, ob eine erneute Begutachtung sinnvoll sein könnte.
Nicht aus Angst vor einer Reform.
Sondern weil die Leistungen der Pflegeversicherung möglichst zur tatsächlichen Lebenssituation passen sollten.
Wir behalten die Pflegereform für Sie im Blick
Viele geplante Änderungen des PNOG sind kompliziert und noch nicht endgültig beschlossen.

Der Alltagsservice Michael Tack verfolgt die weitere Entwicklung und informiert darüber, was die Veränderungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen im Alltag bedeuten können.
Alltag leichter gemacht – weil Pflege verständlich sein sollte.





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